You are currently browsing the Indien category.
Um dem baldigen Schneechaos und der etwa zehnstündigen Autofahrt über dem Bergpass zwischen Leh und Srinagar zu entkommen, nehmen wir einen der Flüge, welche Leh zwei Mal die Woche verlassen. Der kleine Flughafen befindet sich auf einem Militärstützpunkt und unsere Tickets werden schon am Eingangstor gecheckt, sowie beim Betreten des Gebäudes, bei der Sicherheitskontrolle und zu guter letzt am Ticketcounter. Denn Sicher ist Sicher!
Am Sicherheitscheck bewegt sich die Schlange von Soldaten zähflüssig durch die Kontrolle, während die der Zivilisten nur etwa halb so lang ist und für den Moment recht zügig voran kommt. Wir reihen uns in Letztere ein.

Ich bin überrascht wie zivilisiert sich unsere Schlange der Kontrolle nähert, wahrscheinlich liegt es an der verstärkten Militärpräsens. Bis jetzt war ich in Indien anderes gewöhnt.
Jeder will der Erste sein
Wenn man sich in Indien für etwas anstellt, gibt es in der Regel keine wirkliche Schlange. Es läuft eher so ab, dass man sich durch die Menge quetscht und versucht mit aller Kraft ganz nach vorn durch zu dringen. Dort angekommen fuchtelt man dann lauthals mit seinem Ticket oder Geld wild herum um die Aufmerksamkeit des Verantwortlichen auf der anderen Seite des Counters auf sich zu lenken. Ist dies geschafft gilt es in deutlichen und leicht verständlichen Worten sein Begehren vorzubringen. Nebenbei sollte man aber nicht vergessen sich mit Ellenbogen gegen die von hinten heran stürmende Menge zu wehren, denn es kann leicht passieren, dass sich ein Wagemutiger heranschleicht und deine Siegessicherheit ausnutzt um seinerseits sein Glück zu versuchen. Diese in vielen Städten doch recht westlich eingestimmte Kultur Indiens kommt mir in solchen Fällen wieder vollkommen befremdlich vor. Wie auch immer, wir verlassen Leh diesmal ohne dieses Gedränge und Geschubse. Continue Reading…
Posted 2 years, 5 months ago. 3 comments
Als ich am Morgen nach unserer Treckingtour aus dem Fenster schaue bedeckt eine hauchdünne Schneedecke den Garten vor dem Haus und die umgebenen Reisfelder. Der Boden ist gefroren und Eiszapfen haben sich an den kleinen Wasserlaufen gebildet. Der Winter bricht herein und wir machen uns auf dem Weg zurück nach Leh.
Früh am Morgen taucht die Sonne die schneebedeckten Berggipfel Ladakhs in rotgoldenes Licht. Mount Nam Khaigo, dessen Gipfel wir gestern noch erklommen haben, ist umhüllt von einer dicken Wolkendecke, welche nicht einmal dessen Umrisse erahnen lässt.

Es ist etwa acht Uhr morgens als wir den Bus nach Leh nehmen und es uns zwischen Reissäcken und Kisten auf den hinteren Sitzen bequem machen. Viele Mütter mit ihren in Decken eingepackten Babys nehmen den Bus nach Leh. Wie auch Stancins Frau steigen sie am 30 Kilometer entfernten Krankenhaus aus um ihre Kinder untersuchen zu lassen. Aus jedem der kleinen Bündel erklingt ein leises Husten, das kalte Wetter fordert seinen Tribut. Auf der Stirn der Babys sehe ich einen schwarzen Punkt, welcher ihnen als Zeichen einer möglichen ansteckenden Krankheit aufgemalt wurde.
Continue Reading…
Posted 2 years, 5 months ago. Add a comment
Leh ist bekannter Ausgangsort für Bergtouren und mehrtägige Wanderungen in die Himalajas. Läuft man durch die Strassen der kleinen Stadt findet man eine ganze Reihe von Angeboten in den Reisebüros, welche Ausflüge mit Gepäckeseln, Guide, Koch und Zelten organisieren. Die komplette Ausrüstung für Bergtouren in die kalten Höhenlagen kann man hier ausleihen.
Doch so weit hinauf wollen wir gar nicht. So ganz ohne Höhentraining in die Himalajas zu klettern ist wohl nicht die beste Idee, außerdem möchten wir nicht auf einen Bergführer und sein ganzes Team von Köchen angewiesen sein. Wir entschließen uns auf eigene Faust zu einem der buddhistischen Kloster aufzubrechen und von dort aus eine kleine Tour in die Berge zu starten.

In den meisten kleineren Orten entlang der Wanderrouten kann man in Home Stays übernachten. Wie der Name schon sagt, kommt man im Haus einer der Familien unter, welche in den Bergen leben und noch ein Zimmer für Gäste frei haben. Die Unterkünfte sind meist eine Tageswanderung voneinander entfernt und so braucht mal kein Zelt mitnehmen und nur Wasser und Verpflegung für einen Tag, was den Rucksack um einiges leichter macht.
Mit dem Bus von Leh nach Likir
Am Morgen machen wir uns zum 62 Kilometer entfernten Ort Likir auf. Nach fast einer Stunde Fußmarsch aus dem Zentrum der Stadt hinaus Richtung Manali und erfolglosen Versuchen per Anhalter zu fahren, erwischten wir einen Bus nach Spituk. Von dort geht es mit dem nächsten Bus, der nur einmal am Tag fährt, weiter nach Likir. Wir haben großes Glück und warten nur gut fünf Minuten, dann sind wir wieder unterwegs. Aus den gequälten Lautsprechern hinter mir dudelt quirlige Hindi-Musik und als wir eine der Stupas passieren, legt der Herr neben mir seine Fingerspitzen aneinander und versinkt in ein kurzes Gebet. Continue Reading…
Posted 2 years, 6 months ago. Add a comment
Wegen der Vielzahl buddhistischer Kloster, Tempel und Schreine wird die Region Ladakh in Indiens Norden auch Klein Tibet genannt. Die Kloster sind noch heute bewohnt und in viele wurden bereits die Jahrhunderte alten Wandmalereien restauriert.
Die buddhistische Kultur ist allgegenwärtig. Auf den meisten Anhöhen und Felsen zwischen einem Kloster und dem Nächsten flattern Gebetsfahnen im Wind oder ragen die kreisrunden Stupas in den Himmel.

Die Stupas sind Zeitkapseln in deren Innern sich die Asche verstorbener Lamas befindet oder ein Mantra, welches mit dem Wind weiter getragen wird. Die beiden interessantesten buddhistischen Orte, welche leicht von Leh mit dem regionalen Bus zu erreichen sind, sind die Thiksey Gompa und der Shey Palast. Continue Reading…
Posted 2 years, 6 months ago. Add a comment
Leh an sich ist schon eine Reise wert, bevor man die Sehenswürdigkeiten der auf 3500 Höhenmetern gelegenen Stadt auskundschaftet. Ganz im Norden Indiens gelegen gehört Leh schon fast zum tibetischen Hochland, welches hier spürbar seine Fühler hin ausstreckt. Tibetische Restaurants prägen das Stadtbild genau so, wie die Märkte auf denen Hand gearbeiteter Schmuck, Schnitzereien und warme Kleidung im farbenfrohen tibetischen Stiel angeboten werden.
Der buddhistische Glaube ist vorherrschend in Leh und so gilt die Region sogar als Vorreiter des tibetischen Buddhismus, welcher hier seine Anfänge fand und erst im 8. Jahrhundert nach Tibet überschwappte. Ein Einblick in diese für mich fremde Kultur zu erhalten verspricht interessant zu werden.

Als Hauptort der Region Ladakh ist Leh der Ausgangsort für Treckingtouren und Ausflüge in die Berge, sowie zu den Gompas (Buddhistische Klöster) der Gegend. Leh hat neben dem alten Plast natürlich sein eigenes Gompa auf einem Felsen oberhalb der Stadt, ganz wie es sich gehört. Continue Reading…
Posted 2 years, 6 months ago. Add a comment
Leh ist die nördlichste und höchst gelegene Stadt Indiens in der Region Ladakh im Bundesstaat Jammu und Kashmir. Auf 3500 Höhenmetern umringt von schneebedeckten Bergen habe ich nach unserer Ankunft in Leh eher das Gefühl in Tibet zu sein als in Indien. Das Gebiet ist trocken, kalt, ursprünglich und hat einen ganz eigenen Zauber.
Leh gilt als touristische Hochburg für Trecking-Fans und Bergsteiger, doch wir erreichen die Stadt zum Ende der Saison und so sieht man weniger europäische Gesichter in den Strassen. In einigen Cafes und Restaurants hört man vertraute Akzente, viele Gästehäuser und Hotels haben nach wie vor internationale Besucher, aber das sollen nur die übrig gebliebenen 10% vom Sommerboom sein.

Um nach Leh zu kommen gibt es nur zwei Möglichkeiten. Die schnelle Variante ist diese, mit dem Flugzeug von Srinagar, Delhi, Chandigarh oder Jammu nach Leh zu fliegen. Der abenteuerlichere Weg führt mit dem Jeep über den Manali-Leh-Highway oder den Srinagar-Leh-Highway. Der Manali-Leh-Highway führt über den Taglang La, mit 5300 Metern der zweithöchste befahrbare Pass der Welt. Die beiden Straßen sind offiziell nur von Juni bis September befahrbar.
Continue Reading…
Posted 2 years, 6 months ago. Add a comment
Die Kinder im Alter von sechs bis sechzehn Jahren stehen in vier Reihen auf der kleinen Wiese vor dem Schulgebäude, als wir durch das Seitentor hinein spähen. Man bittet uns herein.
Die Kinder schauen überrascht drein, flüstern miteinander und schauen betreten zu Boden, sobald wir Blickkontakt suchen. Einige verlieren schnell ihre anfängliche Furcht und winken zurück oder rufen ‘Good Afternoon, Sir! Hello Miss!’. Sie lachen, wir lächeln zurück!

Wir treffen den Direktor der Schule Mushtag Ahmed Shah in seinem Büro und auch seine Frau und zwei älteren Kinder sind anwesend. Die ganze Familie arbeitet in der Schule, welche eine der besseren in Kaschmir ist, doch bei weitem nicht mit westlichem Standart zu vergleichen ist.
Elite co-ed Schule in Srinagar
Sie haben Tische und Stühle in den Klassenräumen, einen kleinen Wissenschaftsraum, in dem einige Weltkarten und Gerätschaften für den Biologieunterricht aufbewahrt werden und sogar einen PC-Raum mit einigen Computern. Vor gut sieben Jahren hat Mushtag Ahmed Shah die Elite co-ed School in Srinagar gegründet und aus eigener Tasche finanziert. Von anfänglich 10 Schülern unterrichten die Lehrerinnen nun schon 487 Schüler in Englisch, Hindi, Urdu, Mathematik, Wissenschaften und Religion. Da Privatschulen, wie überall, sehr teuer sind und oftmals in die eigene Tasche wirtschaften, ist gute Bildung für die Kinder der meisten Familien undenkbar. Ganz traditionell wird in einigen abgelegenen Dörfern der Unterricht sogar zu Haus durchgeführt. Auch Betreutes Wohnen im Alter gibt es in Indien nicht, denn die Familie steht an erster Stelle und kümmert sich um jeden Einzelnen. Continue Reading…
Posted 2 years, 6 months ago. 3 comments
Kashmir und Jammu ist die Region im äußersten Norden von Indien. So nördlich, dass man die Ausläufer des Himalajas sieht und den nahenden Winter spürt, während im Rest des Landes brütende Hitze herrscht. Wirft man einen Blick auf eine ältere Karte Pakistans, liegt Kashmir sogar so weit im Norden, dass es schon gar nicht mehr zu Indien gehört. Doch das ist Ansichtssache der Regierungen, auf einer indischen Karte sieht das alles schon wieder ganz anders aus.
Jammu und Kashmir ist ein indischer Bundesstaat und Teil der zwischen der Volksrepublik China, Indien und Pakistan umstrittenen Region Kaschmir. Bis vor einigen Jahren erschütterten Grenzkonflikte die Region und Kashmir gehörte zu Pakistan, heute ist das Gebiet ruhig und friedlich. Die Warnungen vom Auswärtigen Amt, welche Kashmir schon fast als Krisengebiet ausweisen, halten die meisten Touristen fern.

Die Menschen hier sind freundlich, manchmal scheu oder so begeistert einen Europäer zu sehe, dass ich gelegentlich um ein Foto gebeten werde. Das ist ein komisches Gefühl und eine ungewohnte Situation mit der man nicht wirklich rechnet.
Kashmir und Jammu
Srinagar ist im Sommer die Hauptstadt von Kashmir und Jammu. Soldaten stehen in den Strassen nach wie vor auf ihren Posten, doch sie lächeln und lassen sich fotografieren – die Situation ist entspannt und die letzten Zwischenfälle vier Jahre her. Doch spricht man mit den Bewohnern ist es eher das Militär, welches den hin und wieder auftretenden Ärger verursachen. Doch Touristen sind nicht das Ziel diesen Ärgers, denn sie bringen das Geld. Continue Reading…
Posted 2 years, 7 months ago. Add a comment